GAMU Gesellschaft für angewandte Mykologie und Umweltstudien mbH (Gamu) - Institut für Pilzforschung
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Erwiderung

Auf die Sendung des NDR Fernsehens „Pilze und Pilzpillen – Wie gesund sind sie wirklich?“ vom 04. September 2007

Autorin: Frau Anne Schlosser

In der oben genannten Sendung sind grobe Unwahrheiten verbreitet worden, die geeignet sind

• die Pilze im Allgemeinen in Verruf zu bringen
• die Zuschauer in die Irre zu führen
• falsche Geschäftspraktiken zu unterstützen

Begründung:

Es trifft nicht zu, dass der Körper am meisten von den Wirkstoffen der frisch verzehrten Pilze profitiert. Es ist eine bewiesene Tatsache, dass alle Wirkstoffe, die die Heilkraft der Pilze ausmachen, vollständig auch in schonend getrockneten und gemahlenen Pilzen enthalten sind. Bei den weltweit durchgeführten Studien über die Heilkraft der Pilze und bei ihrem Einsatz zu therapeutischen Maßnahmen, werden nicht frische Pilze verwendet.

Es trifft nicht zu, dass Pilzmyzel Gifte enthält. Es trifft lediglich zu, dass manche Pilze, wie z.B. die Champignonarten eine höhere Affinität zu Schwermetallen haben und diese aufnehmen, wenn der Boden entsprechend verseucht ist. Andere Pilze, wie z.B. der Schopftintling nehmen am selben Standort aber keine nennenswerten Mengen von Schwermetallen auf. Soviel zum allgemeinen Verständnis. Wenn aber das Myzel eines Pilzes Schwermetalle oder andere Kontaminanten aufnimmt, dann sind diese Kontaminanten selbstverständlich auch im Fruchtköper enthalten. Es ist daher vollkommen irreführend zu behaupten, dass nur das Myzel eines Pilzes verseucht werden könnte, nicht aber gleichzeitig sein Fruchtkörper.

Unabhängig von dieser irreführenden Behauptung muss klargestellt werden, dass mit Ausnahme des Brasil Egerlings alle momentan verwendeten Pilze mit Heilkraft Holzbewohner sind und auf Holz oder Sägemehl kultiviert werden. Mit einem möglicherweise verseuchten Boden kommen diese Pilze überhaupt nicht in Kontakt.

Ferner muss ebenfalls klargestellt werden, dass mit einer Ausnahme alle momentan in Deutschland erhältlichen Produkte aus Pilzen mit Heilkraft aus den Fruchtkörpern und nicht aus dem Myzel hergestellt werden. Die einzige Ausnahme bildet der Chinesische Raupenpilz. Produkte aus ihm werden aus dem Myzel hergestellt. Dieses Myzel wird in Bioreaktoren, unter absolut sterilen Bedingungen, ähnlich wie z.B. Penicillin, erzeugt. Eine Verseuchung dieses Myzels durch Schwermetalle oder Pestizide ist ausgeschlossen.

 Irreführend und völlig unsachlich ist die Behauptung, dass nur die ganzen Pilze und Produkte aus dem Pilzpulver nützlich sind, während Pilzextrakte giftig sein sollen. Es ist hundertfach bewiesen, dass die so genannten Polysaccharide (Vielfachzucker) und Polysaccharidpeptide (Vielfachzucker in Verbindung mit Eiweiß) die immunmodulierende und antitumorale Wirkung der Pilze repräsentieren. Eine Durchsicht der einschlägigen Fachliteratur beweist, dass die Forscher ihre Studien fast ausschließlich mit Pilzextrakten durchgeführt haben und aus den Ergebnissen dieser Studien Ihre Schlüsse gezogen bzw. Empfehlungen gegeben haben. Auf den Ergebnissen dieser Studien beruhen übrigens auch die therapeutischen Ratschläge der Interviewpartner der Sendung.

Natürlich sind auch im ganzen Pilz und im Pilzpulver diese Polysaccharide enthalten, aber in einer viel niedrigeren Konzentration, als im Extrakt. Deshalb ist es auch so, dass die traditionelle ostasiatische Volksheilkunde, die die Extrakte noch nicht kannte, für längere Zeit den täglichen Verzehr von 4 bis 10 g Trockenpilzen mit Heilkraft empfiehlt. In Kapseln umgerechnet, die maximal 400 mg Pilzpulver enthalten, heißt es täglich 10 bis 25 Kapseln zu schlucken. Legt man den Preis von 51,- Euro für 100 Kapseln zugrunde, wie es im deutschen Netz angeboten wird, ist es für den Anbieter ein fantastisches Geschäft. Für die Anwender aber kaum bezahlbar.

Um dieses einträgliche Geschäft machen zu können mäkelt man schon mal gerne an Produkten, deren Rohstoffe aus China kommen, herum. Das beste Pauschalargument ist: Produkte aus China sind belastet. Auch diese Behauptung ist falsch und irreführend. In der Volksrepublik China werden heute auf dem Pilzsektor auch Bioprodukte nach deutschem Maßstab erzeugt. Die Betriebe werden durch ein Schweizer Institut, dass bei der EU akkreditiert ist, kontrolliert und zertifiziert. Die Qualität dieser Produkte ist in keiner Weise schlechter, als jene aus Deutschland und Österreich. Übrigens, es trifft auch nicht zu, dass in Deutschland Pestizide für den Pilzanbau komplett verboten sind. Und der sollte den ersten Stein werfen, der in Deutschland – wenn es mal dringend nötig war – nicht auch mal unzulässige Produkte verwendet hat.

Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass es sich bei diesem Beitrag des NDR Fernsehens um eine dürftig recherchierte, irreführende und mit falschen Tatsachen gespickte Sendung handelt.

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